Geldfluss-Index (MFI) Erklärung – Technische Analyse
Der „Geldfluss-Index (MFI)“ versteht sich als eine Art Schwung- und Volumen-Indikation, wobei hier die Stärke des Volumens gemessen wird, das in den Basistitel hinein- bzw. von dort herausfließt.
Aussage und Funktionsweise
Der „Geldfluss-Index (MFI)“ verknüpft die Kursdynamik eines Wertpapiers unmittelbar mit den gehandelten Umsätzen, um die tatsächliche Intensität von Kapitalbewegungen transparent zu machen.
Schließt der Basistitel in der Nähe des Tageshochs, wird im „Geldfluss-Index“ davon ausgegangen, dass Kapital in den Basistitel hineinfließt. Wenn der Basistitel in der Nähe des Tagestiefs schließt, wird dementsprechend unterstellt, dass Kapital aus dem Basistitel abgezogen wird.
Daher wird zunächst festgestellt, ob sich der Basistitel im Vergleich zum Vortag erhöht oder ermäßigt hat, bevor eine Multiplikation mit den Umsätzen stattfindet. Ein steigender „Geldfluss-Index“ zeigt somit Aufwärtstrends an, ein fallender analog Abwärtstrends.
Berechnung des Geldfluss-Index
Die Berechnung des „Geldfluss-Index“ erfolgt in mehreren aufeinander aufbauenden Schritten. Zunächst muss hier (vergleichbar zum Beispiel mit dem sogenannten „signifikanten Kurs“ im „Warenkanal-Index“) der sogenannte „typische Preis“ errechnet werden, indem Tages-Hoch, -Tief und -Schluss addiert und anschließend durch 3 dividiert werden.
Die Multiplikation dieses „typischen Preises“ mit dem Handelsvolumen ergibt den sogenannten „Geldfluss“:
1. Errechnung des typischen Preises:
Sofern der heutige typische Preis größer oder gleich dem gestrigen ist, liegt ein positiver Geldfluss vor:
Liegt der heutige typische Preis hingegen unter dem gestrigen, gilt ein negativer Geldfluss:
Im nächsten Schritt wird nun das sogenannte „Geldfluss-Verhältnis“ (GV) errechnet, indem die Summe der positiven Geldflüsse innerhalb des Einstellungszeitraums durch die Summe der negativen Geldflüsse des Einstellungszeitraums dividiert wird.
2. Geldfluss-Verhältnis (GV):
Das Ergebnis ist eine Verhältnismaßzahl, die entsprechend des Einstellungszeitraums zeigt, ob sich die Schlusskurse in der Nähe des Tageshochs oder in der Nähe des Tagestiefs häufen. Der nachfolgende Rechenschritt erfolgt zur Formalisierung der Ergebnisse.
Das Ergebnis ist eine um die Marke von 50 oszillierende Darstellung mit den beiden theoretischen Maximalwerten von 0 und 100.
Mathematische Formel
wenn Xt ≤ Xt-1 dann gilt: +Yt = 0 und -Yt = Xt × V
Variablen-Erklärung:
Xt: Typischer Preis des aktuellen Tages
+Y: Positiver Geldfluss
-Y: Negativer Geldfluss
GV: Geldfluss-Verhältnis
V: Gehandeltes Volumen (Umsatz)
H, T, S: Tages-Höchstkurs (H), Tages-Tiefstkurs (T), Schlusskurs (S)
Einstellung
20 Perioden (Tage, Wochen oder Monate). Durch die Berücksichtigung dieses Zeitraums findet die notwendige und verlässliche Glättung der täglichen Schwankungen statt.
Interpretation und Handelssignale
Der „Geldfluss-Index“ zeigt, ob das heutige Handelsvolumen zu steigenden oder fallenden Kursen im Basistitel geführt hat. Dabei wird der „MFI“ bei Kursgewinnen stets ansteigen, bei Kursrückgängen stets fallen. Das Ausmaß der „MFI“-Veränderung ist umso höher, je größer die Kursveränderung zum Vortag und/oder je höher das Volumen ausfällt.
Bei hohen Umsätzen deuten tendenziell anziehende Notierungen auf einen neuen Aufwärtstrend und analog tendenziell rückläufige Notierungen auf einen neuen Abwärtstrend hin. Daher werden primär die Trendwechsel im „Geldfluss-Index“ zur Generierung von Handelssignalen herangezogen.
Kaufsignal an der Mittelpunktslinie
In der Regel gilt ein klares Kaufsignal, wenn der „MFI“ die 50er-Mittelpunktslinie von unten nach oben durchkreuzt.
Verkaufssignal an der Mittelpunktslinie
Kreuzt der „MFI“ die 50er-Mittelpunktslinie von oben nach unten, wird ein entsprechendes Verkaufssignal generiert.
Bei der Konstruktion eines gleitenden Durchschnitts auf den „Geldfluss-Index“ werden durch die jeweiligen Kreuzungen zwar deutlich frühzeitiger Kauf- und Verkaufssignale generiert, doch dafür häufen sich erfahrungsgemäß auch Fehlsignale.
Divergenzen zwischen MFI und Basistitel
Eine besonders wichtige Aussage erfüllen Divergenzen zwischen dem Kurs des Basistitels und dem Indikatorverlauf:
Bärische Divergenz
Bildet der Kurs einen neuen Hochpunkt aus, der MFI jedoch lediglich ein niedrigeres Indikatorenhoch, deutet dies darauf hin, dass die Aufwärtskräfte erlahmen. In diesem Fall liegen unterdurchschnittliche Kursgewinne oder rückläufige Umsätze vor – eine Trendwende nach unten steht bevor.
Bullische Divergenz
Markiert der Kurs ein neues Tief, das vom MFI jedoch nicht durch ein neues Indikatorentief bestätigt wird (der MFI bildet ein höheres Tief), signalisiert dies ein Nachlassen des Verkaufsdrucks – eine Aufwärtstrendwende bzw. Bodenbildung kündigt sich an.
Verwendung als Oszillator und Kontratrendindikator
Der „Geldfluss-Index“ kann auch als Oszillator und damit als Kontratrendindikator verwendet werden. In diesem Fall sind horizontale Signallinien in den Bereichen von 70/80 und 30/20 zu konstruieren.
Wie bei allen Oszillatoren ist dann ein Dreh aus dem oberen Überkauft-Bereich als Verkaufssignal zu interpretieren und dementsprechend ein Dreh aus dem unteren Überverkauft-Bereich als Kaufsignal.
Ausgangspunkt dieser Anwendung ist bei überdurchschnittlichen Umsätzen die vorangegangene massive Häufung von Tagen mit Kursgewinnen (Übertreibung nach oben) beziehungsweise von Tagen mit Kursrückgängen (Übertreibung nach unten). In diesem Szenario wird eine Überhitzung des Basistitels unterstellt, sodass mit einer kurz bevorstehenden Gegenreaktion der Kurse gerechnet wird.
„Der in Deutschland noch relativ unbekannte Geldfluss-Index bietet eine interessante Alternative zu herkömmlichen Oszillatoren, da hier sowohl das Kursverhalten wie auch die Umsatzentwicklung berücksichtigt werden.“ — Fachanalyse · TM Börsenverlag AG
Verwandte technische Indikatoren
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Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet den MFI vom Relativer-Stärke-Index (RSI)?
Während der klassische RSI ausschließlich Schlusskurse berücksichtigt, bezieht der MFI das reale Handelsvolumen mit ein. Dadurch wird sichtbar, ob Kursbewegungen durch echtes Kapital getragen werden oder lediglich volumenschwache Zufallsschwankungen darstellen.
Welche Zeiteinheit eignet sich am besten für den MFI?
Der Indikator kann auf Tages-, Wochen- und Monatscharts sowie im untertägigen Handel eingesetzt werden. Als Standard-Einstellung haben sich 20 Perioden etabliert, da diese eine ideale Balance zwischen Reaktionsschnelligkeit und Rauschfilterung bieten.
Wann liefert der MFI die verlässlichsten Signale?
Die stärksten und statistisch zuverlässigsten Signale entstehen durch Divergenzen an den Extremzonen (über 80 oder unter 20), da hier das Erlahmen des Trends frühzeitig vor einer tatsächlichen Kursumkehr angezeigt wird.